Felsbaumzufluch
Garten
Stille.
Bevor sie die knarzende Tür hinter sich schloss, hatte sie noch Hirsche in Balz rufen gehört. Und jetzt? Noch nicht einmal das Zirpen einer Grille war zu hören. Die Tür sollte nur ins Innere eines Kraters führen, das hatte zumindest der betrunkene Waldelf in der Taverne "Zur grünen Laube" drüben in Waldheim gesagt. Brunhild war keine dumme Ork, sie merkte, wenn jemand Blödsinn laberte. Und das hatte der kleine Waldelf sicherlich. Krater pah, dass sie nicht lachte. Krater sahen anders aus.
Dies hier war ein mit dicken Felsen umgebener Wald, kein tief liegender Krater. Zugegeben, ein toter gruseliger Wald, der gut von der Außenwelt abgeschirmt war. Sie lauschte. Nichts. Zumindest Insekten und Kleintiere sollten ihren Weg hier hergefunden haben, dennoch war nicht ein Laut zu hören. Besorgt runzelte sie die Stirn. Ein Gefühl der Bedrohung machte sich breit.
Warum war sie eigentlich hier? Sie sollte sofort auf der Stelle umkehren und diesen unwirtlichen Ort verlassen. "Und das mache ich jetzt auch!", rief sie und blieb ungerührt auf der Stelle stehen.
Erneut fragte sie sich, was sie hier eigentlich wollte. Mit gerunzelter Stirn versuchte sie sich zu erinnern. Leise pochend machten sich wieder die Kopfschmerzen bemerkbar, jene die immer kamen, wenn sie versuchte sich zu erinnern, warum sie … warum sie... hier... wo sich etwas Wichtiges befand … was … was war es …? Ihr wurde furchtbar übel und ein Schleier legte sich vor ihren Augen. Die Kopfschmerzen wurden immer heftiger ins Unerträgliche hinein. Es war als würde etwas versuchen ihre Gedanken aus dem Kopf herauszuziehen. Ein animalischer Schmerzlaut kam ihr über die Lippen. Brunhild hatte das Gefühl, dass sie kurz davor war sich zu erinnern. Unbedingt wollte sie sich erinnern, sie musste! Mannimarco flüsterte eine innere Stimme ihr zu. Jäh stieg eine Hitze auf. Feuer! Flammen krochen über ihre graue Haut und färbten es schwarz. Vor Schmerzen schreiend fiel sie zu Boden. Ein Ruck fuhr durch ihren Kopf und die Gedanken waren verschwunden. Eine kühle legte sich um sie und sie fühlte wie ihre verbrannte Haut heilte. Die Kopfschmerzen ließen allmählich nach und die Wellen der Übelkeit verebbten. Mit geschlossenen Augen blieb Brunhild für eine Weile liegen und wartete das ihr Atem sich beruhigte. Langsam öffnete sie die Augen. Unheilvolle leuchtende Augen starrten sie neugierig aus dem toten Geäst über ihr an. Stille. Brunhild schaute zurück nach oben. Die leuchtenden Augen blinzelten und verschwanden.
Stille.
Sterne kamen zum Vorschein. Am liebsten wäre sie länger liegen geblieben, die kühle tat ihr so gut, jedoch ließ ein knarzendes Geräusch sie zusammenzucken und lenkte ihre Aufmerksamkeit vom Sternenhimmel hin zum Tor, durch welches sie selbst vor wenigen Minuten gegangen war. Ein ziemlich bunt gewürfelter Haufen Leute betrat den toten Wald. Brunhild setzte sich auf und betrachtete jeden genau. Waren diese Leute eine Gefahr? Der erste zeigte nach vorne in den Wald und alle folgten seinem Finger, auch Brunhild. Mit Schrecken sah sie eine Ungeheuerlichkeit da stehen, groß wie ein Haus und ein Maul weit aufgerissen und voller schiefer Zähne. Sein Rachen war angefüllt mit einer seltsamen grünen Flüssigkeit. Die roten Augen starten böse auf alles nieder. Ein kleines grausiges schwarzes Wesen kam aus der Flüssigkeit geschwebt und schaute sich um, als ob es nach etwas oder jemanden Ausschau hielt.
"Hallo"
Erschrocken fuhr Brunhild herum und rutschte ausweichend nach hinten. "Mein Name lautet Nemedon und wie heißt Ihr?" Ein garstig aussehender Vampir sah sie leicht lächelnd an. "Oh ich wollte Euch nicht erschrecken. Tut mir leid" Brunhild wusste nicht was sie sagen sollte, eigentlich wusste sie im Moment gar nichts. "Hmm, vielleicht habt Ihr keinen Namen? Das ist nicht schlimm, wir werden einen für Euch finden!" Der Vampir neigte leicht den Kopf zur Seite. Jemand aus der Gruppe rief etwas Unverständliches. Der Vampir Nemedon drehte sich um und rief: "Ja, ich finde auch, dass Hevelchen dieses Haus echt toll eingerichtet hat!